Kindermöbel in der Höhe des Kindes erlauben ihm, vieles selbst zu tun, wofür es sonst einen Erwachsenen fragen müsste: das Buch aus dem Regal nehmen, auf den Lernturm steigen und beim Teigkneten zusehen. In der Montessori-Pädagogik heißt ein solcher Raum vorbereitete Umgebung.
Ein Kind kommt in eine Welt, die für Erwachsene gebaut ist. Die Klinke sitzt zu hoch, das Waschbecken ist unerreichbar, das Buch steht im obersten Regalfach. Jedes Mal, wenn es etwas will, muss es jemanden fragen. Maria Montessori hat daraus vor über hundert Jahren eine einfache Schlussfolgerung gezogen: Die Umgebung passt sich dem Kind an, damit es mitmachen kann, statt darauf zu warten, dass es groß genug wird.
Was bedeutet vorbereitete Umgebung?
Der Fachbegriff meint etwas Einfaches. Alles, was ein Kind benutzen soll, ist so gebaut, dass es das Kind ohne Hilfe benutzen kann: Es steht in Reichweite, ist leicht genug zum Tragen und stabil genug zum Anlehnen.
Die Wirkung ist größer, als das Wort vermuten lässt. Ein Kind, das sein Buch selbst aus dem Regal nimmt, trifft eine Entscheidung. Wer auf den Lernturm steigt, um beim Teigkneten zuzusehen, gehört zum Haushalt dazu und schaut nicht mehr nur von außen zu. Aus vielen solchen kleinen Selbstverständlichkeiten wächst mit der Zeit das, was man später Selbstvertrauen nennt.
Was heißt das für Kindermöbel?
Aus diesem Gedanken folgen drei ziemlich konkrete Anforderungen.
Höhe. Ein Kinderregal ist so gebaut, dass das Kind das oberste Fach im Stehen erreicht. Bücher stehen mit dem Cover nach vorn. Ein Kind, das noch nicht liest, erkennt sein Buch am Bild auf dem Umschlag.
Standfestigkeit. Kinder lehnen sich an, ziehen sich hoch und setzen sich gern auf ihre Möbel. Gute Kindermöbel stehen dabei ruhig und fest.
Gewicht. Ein Möbel, das ein Kind selbst umstellen kann, gehört ihm ein Stück weit. Ein Möbel, das es nicht bewegen kann, gehört den Eltern.
Warum gehört Bewegung zum Lernen?
Klettern, Balancieren und Schaukeln sehen nach Toben aus. Für den Gleichgewichtssinn ist das Arbeit. Wer klettert, plant Bewegungen im Voraus, schätzt Abstände ein und korrigiert sich mitten in der Bewegung. Genau diese Fähigkeiten braucht ein Kind später wieder, beim Schreiben genauso wie beim Fahrradfahren und beim Sport.
Deshalb steht bei uns ein Kletterbogen gleichberechtigt neben dem Bücherregal. Beide gehören ins Kinderzimmer, und beide sind vollwertige Möbel: Der Bogen wird zur Wippe, zum Tunnel, zum Dach einer Höhle und, wenn das Kind größer ist, zur Sitzbank.
Warum ist das Holz unbehandelt?
Kinder fassen alles an, und kleine Kinder nehmen alles in den Mund. Deshalb bleibt bei uns die Oberfläche reines Holz.
Unsere Möbel bestehen aus Buche und Birkenschichtholz, unbehandelt. Die Oberfläche wird von Hand geschliffen, die Kanten werden verrundet. So fühlt sich das Holz warm und glatt an und riecht nach Holz. Was Ihr Kind anfasst, ist das Holz selbst.
Kleine Spuren des Alltags schleifen Sie mit feinem Schleifpapier einfach weg.
Woran erkennen Sie gute Kindermöbel?
- Das Kind erreicht alles, was es benutzen soll, ohne zu klettern oder zu fragen.
- Das Möbel steht fest, auch wenn sich ein Kind mit vollem Gewicht anlehnt.
- Kanten sind verrundet, die Oberfläche ist glatt genug für bloße Hände.
- Sie wissen, woraus das Möbel besteht, und die Antwort ist kurz.
- Das Stück lässt sich reparieren statt ersetzen.
Der letzte Punkt zeigt sich erst mit den Jahren. Ein Möbel, das ein Kind vier Jahre lang benutzt, sieht danach benutzt aus. Dann stellt sich die Frage, ob man es wegwirft oder abschleift.
Ein Möbel, das mitwächst
Die meisten Kindermöbel haben ein Verfallsdatum: Mit vier Jahren passt das Kind nicht mehr hinein. Kann ein Stück von Anfang an mehrere Rollen spielen, etwa als Wippe, Tunnel und Bank, verschiebt sich dieses Datum weit nach hinten.
Dahinter steht eine Bauentscheidung. Die Formen sind schlicht, und das Holz trägt weder aufgedruckte Motive noch Figuren, aus denen ein Kind herauswächst. Wer trotzdem etwas Persönliches möchte, kann bei uns einen Namen oder eine kleine Figur ins Holz gravieren lassen.